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Von isoliertem Monitoring zu Network Intelligence: Warum Betrugsprävention einen breiteren Blick braucht

22.04.2026 Tyrone Castelanelli

Betrugsprävention war lange darauf ausgelegt, sich auf Daten und Prozesse innerhalb der eigenen Institution zu stützen. Dieses Modell gerät zunehmend unter Druck. Im Jahr 2024 berichteten die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und die Europäische Zentralbank (EZB) von Zahlungsbetrugsverlusten in Höhe von 4,2 Milliarden Euro im gesamten EWR. Der EBA Consumer Trends Report 2024/25 zeigt außerdem, dass Zahlungsbetrug – insbesondere Social-Engineering-Betrug – derzeit das größte Problem für Verbraucher in der EU ist.

Gleichzeitig wird die europäische Zahlungslandschaft schneller und stärker vernetzt. Die Instant Payments Regulation bringt wichtige Neuerungen für Echtzeitzahlungen und die Verification of Payee (VoP) mit sich und zwingt Fraud-Teams, schneller und sicherer zu entscheiden. Zusammengenommen stellen diese Entwicklungen eine zentrale Frage: Reicht es noch aus, nur die eigenen Daten zu betrachten, wenn wichtige Hinweise immer häufiger außerhalb der eigenen Institution entstehen?

Betrug lässt sich nicht mehr innerhalb einer einzelnen Institution erfassen

Über Jahre hinweg haben Banken stark in Betrugsprävention investiert. Transaktionsmonitoring, Verhaltensanalysen, Machine Learning und mehrstufige Authentifizierung sind weiterhin zentrale Bestandteile moderner Sicherheitsstrategien. Und sie funktionieren: EBA und EZB bestätigen, dass starke Kundenauthentifizierung nach wie vor wirksam gegen die Betrugsarten ist, für die sie ursprünglich entwickelt wurde – insbesondere im Kartenbereich.

Doch die Betrugsmuster haben sich weiterentwickelt. Neuere Betrugsformen basieren zunehmend darauf, legitime Zahler dazu zu bringen, betrügerische Transaktionen selbst zu autorisieren – bekannt als Authorized Push Payment (APP) Fraud. Das verändert die Ausgangslage grundlegend. Es geht nicht mehr nur darum, ob eine Bank unautorisiertes Verhalten innerhalb ihrer eigenen Systeme erkennen kann. Entscheidend ist vielmehr, ob Institutionen den größeren Betrugskontext schnell genug erfassen, um einzugreifen, bevor eine Zahlung ausgeführt wird.

Starke Analytik hinterlässt dennoch eine Sichtbarkeitslücke

Das ist kein Argument gegen interne Analysen. Im Gegenteil: Interne Fraud-Systeme bleiben das operative Herz der Betrugsprävention. Sie kennen die Kundenbeziehung, das bisherige Verhalten, den Kanal-Kontext und die Risikobereitschaft der eigenen Institution. All das wird in einer stärker vernetzten Zahlungslandschaft nicht weniger wichtig.

Was sich jedoch verändert, ist die Grenze dessen, was selbst leistungsfähige interne Modelle erkennen können. Eine Transaktion kann im Kontext der eigenen Daten unauffällig erscheinen – und im größeren Netzwerkzusammenhang klare Hinweise auf Betrug liefern. Genau hier liegt heute der entscheidende Punkt für viele Institutionen: nicht ein Mangel an Analytik, sondern fehlende Sichtbarkeit über die eigenen Grenzen hinaus. In einem Markt mit schnelleren Zahlungen und zunehmend anpassungsfähigen Betrugsmustern wird diese Lücke immer kritischer.

Instant Payments erhöhen den Druck

Die Instant Payments Regulation hat diese Entwicklung weiter beschleunigt. Finanzinstitute und Zahlungsdienstleister im Euroraum müssen seit dem 9. Januar 2025 in der Lage sein, Instant Payments zu empfangen, und ab dem 9. Oktober 2025 auch zu senden. Da Zahlungen in Echtzeit erfolgen, verkürzt sich das Zeitfenster für die Betrugsbewertung erheblich.

Das verändert die Anforderungen an Fraud-Teams grundlegend. Es geht nicht mehr nur darum, mehr Betrug zu erkennen. Es geht darum, schneller zu entscheiden. In einer Instant-Payments-Umgebung bleibt kaum Zeit für Verzögerungen, manuelle Prüfungen oder unvollständige Informationen. Gefragt sind Ansätze in der Betrugsprävention, die fundierte Entscheidungen in Echtzeit ermöglichen, ohne unnötige Reibung für den Kunden zu erzeugen – indem sie interne Erkenntnisse mit externem Kontext verbinden.

FPAD zeigt, wohin sich der Markt entwickelt

Genau hier wird Network Intelligence vom Konzept zur operativen Realität. Ein konkretes Beispiel ist der Fraud Pattern and Anomaly Detection Service (FPAD) von EBA Clearing. EBA Clearing beschreibt FPAD als eine Lösung zur Betrugsbekämpfung für Teilnehmer von STEP2-T und RT1, die Tools zur Betrugsprävention und -erkennung in Echtzeit bietet, sowohl während der Zahlungsinitiierung als auch nach der Abwicklung.

In der Praxis bedeutet das: Teilnehmende Institute können auf Signale zurückgreifen, die aus Aktivitätsmustern im gesamten Netzwerk abgeleitet werden – statt sich ausschließlich auf die eigene Datenbasis zu verlassen. Eine Transaktion, die intern nur moderat riskant erscheint, kann im größeren Kontext deutlich auffälliger sein. Diese zusätzliche Perspektive hilft, fundiertere Entscheidungen zu treffen – insbesondere dann, wenn wenig Zeit und begrenzte Sichtbarkeit die Bewertung erschweren.

Strategisch ist FPAD nicht nur relevant, weil es eine weitere Kontrollschicht hinzufügt, sondern weil es die Richtung im Zahlungsverkehr widerspiegelt. Betrugsprävention wird kollaborativer, stärker vernetzt und zunehmend von externem Kontext in Echtzeit abhängig. Anstatt eine Zahlung nur anhand der eigenen Historie zu bewerten, ermöglicht Network Intelligence die Einbeziehung von Signalen aus einem breiteren Ökosystem. Das schafft eine solidere Grundlage – sowohl für Prävention als auch für die Analyse im Nachgang.

Hier wird auch die Rolle von INFORM relevant. In unserer FPAD-Readiness-Ankündigung bestätigen wir, dass unsere umfassende Lösung für Financial Crime und Risikomanagement, RiskShield, FPAD-Risikoindikatoren sowie IBAN-/Namensprüfungen in Echtzeit in die Entscheidungslogik integriert. Externe Informationen stehen dabei nicht isoliert neben den Fraud-Prozessen, sondern werden Teil einer einheitlichen Entscheidungsumgebung. So lassen sich interne Analysen mit Netzwerk-Kontext verbinden – unter Einbindung des Menschen in den Entscheidungsprozess.

Die Zukunft der Betrugsprävention ist kollaborativ

 

Die übergeordnete Entwicklung wird zunehmend klar. Europa bewegt sich in Richtung schnellerer Zahlungen, höherer Transaktionssicherheit und strukturierterer Formen der Zusammenarbeit bei der Betrugsbekämpfung. Services wie FPAD sind Teil dieser Entwicklung, weil sie eine strukturelle Lücke schließen, die rein internes Monitoring allein nicht vollständig abdecken kann.

Erfolgreich werden in diesem Umfeld vor allem die Institutionen sein, die ihre interne Betrugsanalytik durch vertrauenswürdige externe Informationen ergänzen – und beides schnell in operative Entscheidungen übersetzen. Die nächste Phase der Betrugsprävention wird davon geprägt sein, wie gut es gelingt, Sichtbarkeit, Kontext und Entscheidungsprozesse über ein erweitertes Zahlungsökosystem hinweg zu verknüpfen – mit menschlicher Expertise als letzte Instanz.

Betrüger nutzen bereits heute die Lücken zwischen Institutionen. Die Antwort darauf ist, diese Lücken zu verkleinern – durch bessere Sichtbarkeit, mehr Kontext und schnellere, fundiertere Entscheidungen. Genau dieser Wandel steht hinter Network Intelligence – und ist einer der zentralen Gründe, warum das Thema aktuell an Bedeutung gewinnt.

Network Intelligence in der Praxis anwenden

Diese Entwicklungen werden bereits auf Branchenebene aufgegriffen. In unserem Experten-Webinar mit EBA Clearing und CREDEM zeigen wir, wie Finanzinstitute Network Intelligence nutzen, um institutsübergreifende Sichtbarkeitslücken zu schließen und fundierte Entscheidungen in Echtzeit zu unterstützen.

RiskShield Score ’n Act dashboard displaying real-time customer satisfaction scores and actionable insights for telecoms

ÜBER UNSERE EXPERT:INNEN

Tyrone Castelanelli

Tyrone Castelanelli

Senior MarComms Manager | Risk & Fraud

Tyrone Castelanelli arbeitet seit April 2022 bei INFORM und ist Teil des Marketingteams der Abteilung Risk & Fraud. Tyrone hat sich auf Marketingkommunikation spezialisiert und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in drei Technologieunternehmen.