Ein Gabelstapler im Einsatz

Warum gerade dieser Stapler? 

Wie Transportentscheidungen in Echtzeit entstehen

17.08.2026 Zdravka Ley

11:12 Uhr im Werk. Die Produktion läuft, sieben Transportaufträge warten auf ihre Ausführung und vier Stapler sind verfügbar. Einer steht praktisch schon um die Ecke. Also ist die Sache klar: Er bekommt den nächsten Auftrag. Oder?

Was auf den ersten Blick nach einer einfachen Entscheidung aussieht, ist in der innerbetrieblichen Logistik deutlich komplizierter. Denn der kürzeste Weg ist nicht automatisch die beste Lösung. Vielleicht wartet woanders ein dringenderer Auftrag. Vielleicht eignet sich ein anderer Stapler besser für die Ladung. Oder zwei Transporte lassen sich geschickt miteinander kombinieren und dadurch eine Leerfahrt vermeiden.

Im laufenden Betrieb entstehen solche Entscheidungen ständig. Prioritäten ändern sich, neue Aufträge kommen hinzu, Fahrzeuge werden frei oder Mitarbeitende gehen in Pause. Wer dabei nur den einzelnen Transport betrachtet, verliert schnell den Gesamtüberblick.

Hier unterstützen intelligente Transportleitsysteme die Disposition. Sie bewerten die aktuelle Situation kontinuierlich und entscheiden auf Basis verschiedener Kriterien, welche Ressource welchen Auftrag übernehmen sollte. Die Algorithmen rechnen, doch ihre Entscheidung sollte kein Rätsel bleiben. 

Grafik: 7 Transportaufträge und 4 Stapler ergeben 16.384 mögliche Zuordnungen

Mehr als nur der kürzeste Weg

Der nächstgelegene Stapler scheint zunächst die logische Wahl. Schließlich bedeutet ein kurzer Weg meist weniger Fahrzeit und geringere Kosten. Doch für eine gute Transportentscheidung reicht die Entfernung allein nicht aus.

Ein Transportleitsystem betrachtet deshalb mehrere Kriterien gleichzeitig. Dazu gehören beispielsweise die Priorität des Auftrags, zeitliche Vorgaben, die Verfügbarkeit und Kapazität der Fahrzeuge sowie deren Eignung für den jeweiligen Transport. Auch bereits zugewiesene Aufträge und mögliche Kombinationen spielen eine Rolle.

So kann es sinnvoller sein, einen etwas weiter entfernten Stapler einzusetzen, wenn dieser einen Auftrag auf seinem Weg mitnehmen kann oder anschließend direkt einen passenden Folgeauftrag übernimmt. Umgekehrt kann der vermeintlich ideale Stapler für einen anderen, dringend benötigten Transport die bessere Wahl sein.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Welcher Stapler ist am nächsten? Sondern: Welche Zuordnung ist für die aktuelle Transportsituation insgesamt am effektivsten?

 

Transportleitsystem statt Einzelentscheidung

Genau darin liegt die Stärke eines intelligenten Transportleitsystems: Transportaufträge werden nicht isoliert, sondern im Zusammenhang betrachtet.

Ändert sich die Situation, weil ein dringender Auftrag hinzukommt oder ein Fahrzeug frei wird, kann auch die optimale Zuordnung eine andere sein. Das Ziel ist nicht, jeden einzelnen Transport für sich möglichst schnell abzuwickeln. Entscheidend ist vielmehr, den gesamten Materialfluss effizient und zuverlässig aufrechtzuerhalten.

Die beste Einzelentscheidung ist eben nicht immer die beste Entscheidung für das Gesamtsystem.
 

Routine automatisieren, Kontrolle behalten

Für die Disposition bedeutet das zunächst Entlastung. Statt permanent selbst zu entscheiden, welcher Stapler welchen Auftrag als Nächstes übernimmt, kann das System diese komplexe Bewertung übernehmen und Transportaufträge passenden Ressourcen zuordnen.

Gleichzeitig sollte nachvollziehbar bleiben, welche Kriterien bei einer Entscheidung eine Rolle gespielt haben und warum beispielsweise ein Auftrag priorisiert oder eine bestimmte Ressource ausgewählt wurde.

So wird automatisierte Disposition nicht zur Blackbox. Das System übernimmt die komplexe Bewertung, während der Mensch den Überblick behält, Entscheidungen einordnet und bei Bedarf eingreifen kann.

 

Fazit: Die Algorithmen rechnen – der Mensch behält den Überblick

Zurück zu 11:12 Uhr: Der Stapler um die Ecke bekommt den Auftrag vielleicht tatsächlich. Vielleicht aber auch nicht.

Und das Prinzip gilt längst nicht nur für Stapler. In vielen Werken teilen sich heute Stapler, Routenzüge und fahrerlose Transportfahrzeuge (AGVs) die Transportaufgaben. Je vielfältiger die Flotte wird, desto wichtiger ist eine zentrale Disposition, die alle verfügbaren Ressourcen gemeinsam betrachtet.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen einfacher Auftragsvergabe und intelligenter Transportsteuerung: Nicht der einzelne Weg und nicht das einzelne Fahrzeug werden optimiert, sondern das Zusammenspiel aller Transporte und Ressourcen.

Und wenn am Ende doch der Stapler um die Ecke losfährt, weiß die Disposition zumindest, warum.
 

Bildhinweis: Visual KI-gestützt erstellt und redaktionell bearbeitet.

ÜBER UNSERE EXPERT:INNEN

Zdravka Ley

Zdravka Ley

Marketing Manager

Zdravka Ley arbeitet seit 2002 als Marketing Manager bei INFORM und beschäftigt sich mit Themen rund um die Optimierung und Nachhaltigkeit der Lieferlogistik und der innerbetrieblichen Transportlogistik.