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Lieferengpässe in unsicheren Zeiten: Wie bleibt Ihre Produktion handlungsfähig?

04.08.2026 Julia Schümmer

Wer Material, Kapazitäten und Aufträge gemeinsam betrachtet, erkennt die Folgen von Engpässen frühzeitig und bleibt handlungsfähig.

Material fehlt, zugesagte Liefertermine geraten ins Wanken und die Produktionsplanung muss innerhalb kürzester Zeit neu aufgesetzt werden: Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor?

Lieferengpässe sind für Fertigungsunternehmen kein neues Phänomen. Doch die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage erhöht die Unsicherheit erneut. Geopolitische Konflikte, Einschränkungen auf wichtigen Handelswegen, handelspolitische Spannungen sowie volatile Energie- und Rohstoffpreise wirken sich direkt auf industrielle Lieferketten aus. Gleichzeitig bleiben viele Unternehmen von einzelnen Lieferregionen oder spezialisierten Zulieferern abhängig.

Das zeigt sich inzwischen wieder deutlich in der deutschen Industrie: Im April 2026 berichteten 13,8 Prozent der Industrieunternehmen von Engpässen bei der Materialbeschaffung – im Januar waren es noch 5,8 Prozent. Im Maschinenbau stieg der Anteil auf 14,8 Prozent. Bei Herstellern elektrischer Ausrüstungen lag er sogar bei 17,2 Prozent.

Was zunächst nach einer Herausforderung für Einkauf und Logistik klingt, wird damit schnell zu einem Problem für die gesamte Fertigung. Denn sobald ein entscheidendes Bauteil nicht rechtzeitig eintrifft, verändern sich Auftragsreihenfolgen, Kapazitätsbedarfe und zugesagte Liefertermine.

Wenn ein fehlendes Teil die gesamte Planung verändert

Gerade in der Einzel- und Kleinserienfertigung bestehen Aufträge häufig aus zahlreichen Arbeitsgängen, Baugruppen und Abhängigkeiten. Fehlt nur eine Komponente, können nachfolgende Arbeitsschritte nicht wie vorgesehen ausgeführt werden.

Die Auswirkungen zeigen sich an vielen Stellen:

  • Aufträge werden begonnen, obwohl sie nicht abgeschlossen werden können.
  • Maschinen und Personal stehen zeitweise still oder müssen kurzfristig neu eingeplant werden.
  • Halbfertige Aufträge erhöhen die Bestände in der Produktion.
  • Eilaufträge verdrängen bereits eingeplante Aufträge.
  • Einkauf, Produktion und Vertrieb arbeiten mit unterschiedlichen Informationsständen.
  • Liefertermine werden auf Basis nicht mehr aktueller Annahmen kommuniziert.

Das eigentliche Problem ist dabei nicht allein der Materialmangel. Entscheidend ist, wie schnell ein Unternehmen erkennt, welche Aufträge betroffen sind und welche Alternativen zur Verfügung stehen.

Materialverfügbarkeit gehört in die Produktionsplanung

In vielen Unternehmen werden Materialbestände und Bestellungen im ERP-System verwaltet. Die Produktionsplanung erfolgt jedoch teilweise losgelöst von der tatsächlichen Materialverfügbarkeit. Ein Auftrag wird dann zwar zeitlich eingeplant, kann zum vorgesehenen Termin aber möglicherweise gar nicht bearbeitet werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass bestätigte Liefertermine von Lieferanten nicht automatisch bedeuten, dass das Material tatsächlich pünktlich eintrifft. Gerade in volatilen Lieferketten können sich Wiederbeschaffungszeiten kurzfristig verändern.

Eine intelligente Produktionsplanung betrachtet deshalb nicht nur Maschinen und Personal, sondern auch das benötigte Material. Sie prüft, welche Aufträge zum jeweiligen Zeitpunkt tatsächlich ausführbar sind. Fehlt eine Komponente, kann die frei werdende Kapazität für andere, materialverfügbare Aufträge genutzt werden.

So entsteht ein realistischerer Produktionsplan, der die aktuelle Situation in der Fertigung abbildet – statt lediglich einen theoretisch möglichen Ablauf vorzugeben.

Kritische Materialien frühzeitig erkennen

Bei Lieferengpässen ist nicht jede verspätete Bestellung gleich kritisch. Ein fehlendes Teil kann einen wichtigen Kundenauftrag vollständig blockieren, während sich eine andere Lieferung ohne direkte Folgen verschieben lässt.

Für den Einkauf ist daher entscheidend, den Zusammenhang zwischen einer Bestellung, dem dazugehörigen Produktionsauftrag und dem zugesagten Kundentermin zu kennen. Erst dann lässt sich beurteilen, welche Materialien tatsächlich priorisiert, beschleunigt oder alternativ beschafft werden müssen.

Eine durchgängige Planung beantwortet unter anderem folgende Fragen:

  • Welcher Kundenauftrag ist von der Verzögerung betroffen?
  • Wann wird das Material in der Produktion tatsächlich benötigt?
  • Welche Arbeitsgänge können trotzdem durchgeführt werden?
  • Welche alternativen Aufträge lassen sich vorziehen?
  • Welche Liefertermine sind gefährdet?
  • Wo lohnt sich eine Beschleunigung der Beschaffung besonders?

Dadurch entsteht ein gemeinsames Bild für Einkauf, Produktion und Vertrieb. Entscheidungen müssen nicht mehr auf Basis unterschiedlicher Listen oder veralteter Planungsstände getroffen werden.

 

Auswirkungen simulieren, bevor der Plan geändert wird

Was passiert, wenn sich eine Lieferung um zwei Wochen verschiebt? Welche Folgen hat es, einen besonders wichtigen Auftrag vorzuziehen? Und welche Aufträge können mit den verfügbaren Materialien stattdessen bearbeitet werden?

Mithilfe von Szenarien lassen sich die Konsequenzen verschiedener Entscheidungen bewerten, bevor sie in die operative Planung übernommen werden. Planungsverantwortliche erkennen beispielsweise, wie sich eine Änderung auf die Termintreue, die Kapazitätsauslastung oder die Durchlaufzeiten auswirkt.

Die Erfahrung der Disponentinnen und Disponenten bleibt dabei unverzichtbar. Eine intelligente Planung schafft jedoch die notwendige Transparenz, um unter Zeitdruck fundierte und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen.

Realistische Liefertermine statt optimistischer Annahmen

Lieferengpässe betreffen nicht nur Einkauf und Produktion. Auch der Vertrieb ist auf verlässliche Informationen angewiesen. Kundinnen und Kunden erwarten frühzeitig eine ehrliche Einschätzung, ob ein zugesagter Termin gehalten werden kann.

Werden Materialverfügbarkeit, Kapazitäten und Auftragsabhängigkeiten gemeinsam betrachtet, lassen sich mögliche Terminabweichungen früher erkennen. Der Vertrieb kann dadurch proaktiv reagieren, anstatt erst nach Ablauf eines Liefertermins erklären zu müssen, warum sich ein Auftrag verspätet.

Das stärkt nicht nur die interne Zusammenarbeit, sondern auch das Vertrauen der Kunden.

Lieferengpässe lassen sich nicht verhindern – ihre Folgen aber begrenzen

Keine Software kann geopolitische Konflikte lösen, Transportwege freihalten oder fehlende Rohstoffe beschaffen. Unternehmen können jedoch beeinflussen, wie gut sie auf Störungen vorbereitet sind und wie schnell sie darauf reagieren.

Transparenz über Material, Kapazitäten und Aufträge hilft dabei, vorhandene Ressourcen gezielter einzusetzen, kritische Beschaffungen zu priorisieren und realistische Liefertermine zu bestimmen.

In einer Zeit, in der Unsicherheit zum betrieblichen Alltag gehört, besteht der entscheidende Vorteil nicht darin, jede Störung vorherzusehen. Entscheidend ist, Auswirkungen frühzeitig zu erkennen und schneller die richtigen Maßnahmen einzuleiten.

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ÜBER UNSERE EXPERT:INNEN

Julia Schümmer

Julia Schümmer

Head of Marketing

Julia Schümmer ist Head of Marketing bei INFORM und seit 2021 im Unternehmen. Sie verantwortet die Marketingaktivitäten im Geschäftsbereich Produktion und beschäftigt sich insbesondere mit der Vermittlung von Themen rund um Production Excellence.

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