INFORM-Studie zeigt zunehmende Komplexität in der Fahrzeuglogistik
08.04.2026
Die Fahrzeuglogistik tritt in eine neue Phase ein: Nicht mehr allein das Wachstum des Transportvolumens steht im Fokus, sondern vor allem die Herausforderung, zunehmende operative Komplexität zu bewältigen. Das zeigt der INFORM-Trendreport 2026: IT in der Fahrzeuglogistik, basierend auf einer Umfrage unter 111 Branchenexpert*innen.

Während 79 % der Befragten davon ausgehen, dass das Transportvolumen von Fahrzeugen in den nächsten fünf Jahren steigen wird, berichtet eine große Mehrheit gleichzeitig von einem wachsenden operativen Druck. 84 % nennen steigende Kosten als größte Herausforderung, gefolgt von zunehmenden Effizienzanforderungen (68 %) und schwankenden Volumina (52 %).
Der Kostendruck bleibt die dominierende operative Herausforderung und hat im Vergleich zu früheren Umfragen (2013, 2018, 2023) noch zugenommen. Gleichzeitig beeinträchtigen mangelnde Transparenz und zunehmende Netzwerkkomplexität weiterhin die Planungsqualität und die Zuverlässigkeit der Umsetzung. In vielen Unternehmen führen fragmentierte Informationen nach wie vor zu reaktiven statt proaktiven Entscheidungen.
Zusammenfassung: Wachstum hält an – Komplexität nimmt zu
Die Studie zeigt einen strukturellen Wandel in der Fahrzeuglogistik:
- Die Mehrheit der Befragten erwartet steigende Transportvolumina.
- Der operative Druck in den Netzwerken nimmt zu.
- Die Komplexität wächst schneller als das Volumen.
Die Folge: Entscheidungsfindung unter Kosten- und Koordinationsdruck wird zum zentralen Erfolgsfaktor in der Fahrzeuglogistik. Begrenzte Transparenz bleibt dabei ein zentrales Hindernis für effiziente Abläufe:
- 76 % berichten von unzureichender Transparenz bei Lieferzeiten und voraussichtlichen Ankunftszeiten (ETA).
- 68 % sehen Lücken bei der Kapazitätstransparenz.
- 66 % fehlt es an Transparenz über den Transportstatus.
Gleichzeitig sehen Unternehmen eine wachsende Kluft zwischen betrieblichen Anforderungen und bestehenden IT-Fähigkeiten. Während 95 % erwarten, dass IT-Systeme die betriebliche Effizienz verbessern, kämpfen viele Unternehmen nach wie vor mit fragmentierten Daten, begrenzter Integration und unzureichender Entscheidungsunterstützung.
Von der Transparenz zur Entscheidungsintelligenz
Fahrzeuglogistiknetzwerke umfassen zahlreiche unabhängige Akteure von OEMs über Spediteure, Terminals und Häfen bis hin zu Händlern, die jeweils mit eigenen Systemen und Planungsprozessen arbeiten. Mit zunehmender Vernetzung steigt die Komplexität der Koordination deutlich. Die Ergebnisse deuten daher auf eine klare Verschiebung der Prioritäten hin: „Transparenz allein ist nicht das Ziel. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, operative Daten in bessere Entscheidungen im gesamten Logistiknetzwerk zu überführen“, sagt Dennis Feddern, Senior Vice President Vehicle Logistics bei INFORM.
Künstliche Intelligenz (KI) wird dabei als wichtiger Hebel gesehen: 94 % der Befragten erwarten einen signifikanten Einfluss von KI und Machine Learning auf die Branche. Dabei geht es vor allem darum, komplexe Szenarien besser zu bewerten und Entscheidungen zu unterstützen – nicht darum, menschliche Expertise zu ersetzen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass viele Unternehmen zunächst grundlegende Themen adressieren müssen: bessere Systemintegration, Echtzeit-Transparenz und flexible Planung.
Ein langfristiger struktureller Trend
Die INFORM-Studienreihe (2013–2026) zeigt ein klares Muster: Das Transportvolumen von Fahrzeugen wächst, während die operativen Rahmenbedingungen komplexer und volatiler werden. Hartmut Haubrich, ebenfalls Senior Vice President Vehicle Logistics bei INFORM, ergänzt: „Während viele Unternehmen weiterhin von Transportvolumen-Wachstum ausgehen, sehen wir aktuell ein differenzierteres Bild je nach Region. Unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen bleibt der Bedarf an besseren Planungs- und Entscheidungsprozessen unverändert.“
Die Studie basiert auf einer Umfrage, die zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 unter 111 Fach- und Führungskräften der globalen Fahrzeuglogistik durchgeführt wurde. Zu den Teilnehmenden zählen Vertreter*innen von Automobilherstellern (37 %), Logistikdienstleistern (46 %) sowie Spediteuren, Terminal- und Hafenbetreibern. Die Mehrheit der Befragten hat ihren Sitz in Europa (62 %), gefolgt von Nordamerika (18 %), weitere Teilnehmende stammen aus Südamerika, Asien und Afrika. Unter den teilnehmenden Unternehmen transportieren 98 % Neufahrzeuge, 50 % Gebrauchtfahrzeuge und 30 % sind im Schwer- und Großtransport aktiv. Die Umfrage wurde anonym mittels eines strukturierten Online-Fragebogens mit 25 Fragen durchgeführt.
Weitere Informationen und die vollständigen Umfrageergebnisse finden Sie hier.