30.01.2026 Nico Raúl Meyer
ShareDas Kaufen von Eiscreme führt zum Ertrinken – klingt absurd, oder?
Und doch könnte man meinen, dass es einen Zusammenhang gibt: In Sommermonaten steigen sowohl die Verkaufszahlen von Sonnencreme als auch die Zahl der Badetage – und statistisch gesehen leider auch die Zahl der Badeunfälle.

Todesfälle durch Ertrinken // Quelle: https://www.dlrg.de/informieren/die-dlrg/presse/statistik-ertrinken#t3gallery-8

Verkauf von Eiscreme // Quelle: https://mrnussbaum.com/storage/uploads/activities/icecream/linegraph1.pdf
Dieser scheinbare Zusammenhang illustriert ein typisches Problem in der Datenanalyse: Wir sehen parallele Zahlen und glauben an eine Beziehung. Doch in Wahrheit steckt meist eine dritte Variable dahinter – in diesem Fall das Wetter.
In einer Zeit, in der Daten als das neue Öl gelten, vertrauen wir Zahlen oft blind. Diagramme wirken überzeugend, Korrelationen eindeutig. Doch wer Entscheidungen nur auf Basis gemeinsamer Bewegungen trifft, verpasst die wahren Ursachen.
Korrelation ist nicht Kausalität. Diese Unterscheidung ist der Schlüssel zu besseren, datengestützten Entscheidungen.
Was bedeutet Korrelation – und was ist echte Kausalität?
Eine Korrelation beschreibt, dass zwei Größen sich gemeinsam verändern.
Eine Kausalität bedeutet, dass eine Variable tatsächlich eine andere beeinflusst oder verursacht.
Klingt einfach – doch im Alltag, besonders in Unternehmensprozessen oder bei KI gestützten Analysen, verschwimmt diese Grenze oft. Das führt zu Fehlinterpretationen, die sich wirtschaftlich negativ auswirken können.
Alltagsbeispiel: Eiscreme, Sonnenbrillen und der Sommer
Wenn im Sommer mehr Eis verkauft und gleichzeitig mehr Sonnenbrillen gekauft werden, zeigen Diagramme fast identische Kurven. Wenn man den eigenen Erfahrungsschatz ausblendet und nur auf die Zahlen schaut, dann könnte man meinen: „Wer Eis kauft, kauft auch Sonnenbrillen."

Verkaufszahlen von Sonnenbrillen // Quelle: https://de.accio.com/business/trend-optik-harras
Die tatsächliche Ursache ist natürlich das warme, sonnige Wetter. Beide Trends sind Folge der Sonneneinstrahlung und hängen nicht unmittelbar miteinander zusammen.
Das Beispiel zeigt: Eine Korrelation liefert Hinweise, aber keine Beweise.
Warum falsche Dateninterpretation teuer werden kann
In der Unternehmenspraxis kann der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
Beispiel: Steigende Produktionskosten gehen Hand in Hand mit längeren Lieferzeiten. Schnell könnte die Annahme entstehen: „Die hohen Kosten verursachen die Verspätungen.“
Diese Schlussfolgerung erscheint plausibel – etwa, weil zusätzliche Mitarbeiter, Eilaufträge oder Nachbearbeitungen Kosten und Abläufe zugleich beeinflussen können.
Doch nicht immer steckt darin die Wahrheit. Oft sind ineffiziente Abläufe, schlechte Planung oder mangelhafte Forecasts der wahre Grund. Wer hier nur auf statistische Muster schaut, bekämpft Symptome statt Ursachen.
Von Mustern zu Erkenntnissen – der Weg zur richtigen Datenanalyse
Unternehmen sammeln heute riesige Datenmengen. Doch ohne richtige Modelle bleibt entscheidungsrelevantes Wissen verborgen.
Methoden wie Machine Learning und mathematische Optimierung ermöglichen tiefere Einsichten – aber nur, wenn der Mensch sie versteht und richtig einordnet.
Moderne Tools sollten Kausalitäten sichtbar machen, nicht nur Muster erkennen. Sie sollten helfen, echte Zusammenhänge aufzudecken und Daten erklärbar zu machen.

Praxisbeispiel: Der Mensch im Loop bei Machine-Learning-Projekten
Vor einigen Jahren führte eine Bank ein Machine-Learning-Projekt zur Aufdeckung von Betrugsmustern durch. Die Analyse zeigte, dass besonders viele Betrugsfälle mit einem bestimmten Mitarbeiternamen korrelierten. Eine rein datenbasierte Schlussfolgerung hätte gelautet: „Wenn dieser Name auftaucht, liegt wahrscheinlich Betrug vor.“
Die Realität: Der Mitarbeiter war Sachbearbeiter – und bearbeitete ausschließlich betrugsverdächtige Fälle.
Die Maschine erkannte also eine Korrelation, aber keine echte Kausalität.
Das Beispiel zeigt, wie wichtig Erklärbarkeit und menschlicher Kontext in datengetriebenen Systemen sind. Ohne „Menschen im Loop“ können Algorithmen statistische Zusammenhänge falsch deuten – mit potenziell gravierenden Folgen.
Der Faktor Mensch – Intuition trifft analytische Logik
Menschen sind hervorragend darin, Muster zu erkennen. Diese Fähigkeit war über Jahrtausende überlebenswichtig – sie hilft uns, Zusammenhänge zu sehen, selbst wenn sie schwer zu erkennen sind.
Doch in der heutigen datengetriebenen Wirtschaft kann uns genau diese Intuition täuschen. Wir sehen Zahlen, die gemeinsam steigen, und interpretieren sie als sinnvollen Zusammenhang. Manchmal ist dieser Zusammenhang aber nur Statistik.
Gute Analysetools müssen deshalb nicht nur Daten auswerten, sondern auch Erklärbarkeit und Transparenz bieten. Sie sollten zeigen, warum Ergebnisse entstehen und welche Faktoren tatsächlich entscheidend sind.
Nur im Zusammenspiel von
- Menschlicher Erfahrung (Kontext und Zielverständnis) und
- Algorithmischer Logik (präziser, tiefer Analyse)
entstehen robuste und nachhaltige Entscheidungen.
Fazit: Von Sonnencreme zum Machine-Learning-Modell – Ursachen verstehen, nicht nur Zahlen sehen
Korrelationen sind wertvoll – sie können Hinweise geben. Aber für kluge, langfristige Entscheidungen reicht das nicht. Nur wer versteht, welche Ursachen hinter den Daten stecken, kann Prozesse verbessern, Risiken minimieren und Chancen gezielt nutzen.
Ob es um Eiscreme-Verkäufe, Produktionsdaten oder KI-gestützte Betrugserkennung geht: Zahlen können täuschen, wenn man sie falsch interpretiert.
Am Ende zählt nicht, wer die meisten Daten hat – sondern wer sie richtig versteht.
Korrelation kann täuschen – Kausalität schafft Klarheit.
Wer tiefer blickt und den Menschen im Loop behält, trifft Entscheidungen, die wirklich wirken. Denn intelligente Datenanalyse bedeutet, Geschichten zu hinterfragen, bevor man ihnen glaubt.
ÜBER UNSERE EXPERT:INNEN
Nico Raúl Meyer
Nico Raúl Meyer absolvierte im Januar und Februar 2026 ein Schülerpraktikum bei INFORM, wo er sowohl im Zentralen Marketing als auch im Geschäftsbereich Vehicle Logistics tätig war. Dort konnte er vielfältige Einblicke in die Arbeitswelt eines international tätigen Softwareunternehmens gewinnen.
