
13.08.2026 // Daniel Schulteis
5 Inventurrisiken, die erst der Wirtschaftsprüfer richtig sichtbar macht
In diesem Blog erfahren Sie Wissenswertes über 5 Inventurrisiken, die erst der Wirtschaftsprüfer richtig sichtbar macht.
13.08.2026 Daniel Schulteis
ShareEin mittelständisches Produktionsunternehmen, 12 Mitarbeiter im Lager, drei Tage Betriebsstillstand. Alles gezählt, alles gefühlt dokumentiert – so wie jedes Jahr. Und dann die Frage des Wirtschaftsprüfers: „Womit können Sie belegen, dass der Zählvorgang tatsächlich so abgelaufen ist, wie es in den Unterlagen steht?"
Stille im Raum.
Genau solche Momente passieren häufiger als Inventurverantwortliche, wie Finanzbuchhalter und Mitarbeiter aus dem Rechnungswesen, zugeben würden. Nicht weil die Inventur schlecht gemacht wurde, sondern weil bestimmte Risiken im Prozess unsichtbar bleiben, bis der Wirtschaftsprüfer sie sichtbar macht.
Diese fünf Risiken sollten Sie daher kennen, bevor der Wirtschaftsprüfer unangenehme Fragen stellt.
Der Wirtschaftsprüfer fragt: „Wie können Sie den Inventurprozess vom Zählauftrag bis zur Buchung lückenlos nachvollziehen?"
Das ist das tückischste Risiko, weil es so lange unsichtbar bleibt. Zähllisten vorhanden, Differenzen gebucht, Unterschriften geleistet. Und trotzdem stellt der Wirtschaftsprüfer fest: Die vollständige Nachvollziehbarkeit fehlt.
Prüfungssicher bedeutet nicht nur, dass Ergebnisse vorliegen, sondern dass der gesamte Prozess rekonstruierbar ist. Wer hat wann gezählt? Nach welchem Verfahren wurden Abweichungen behandelt? Welche Posten wurden warum ausgelassen?
Fehlt diese Tiefe, drohen unangenehme Nachfragen, zusätzliche Prüfungshandlungen und Nachzählungen. Bei wesentlichen, nicht behebbaren Lücken kann das im Extremfall sogar bis zu einem eingeschränkten Bestätigungsvermerk führen.
Das eigentliche Problem: Viele Unternehmen dokumentieren das Ergebnis der Inventur – nicht den Prozess. Der Wirtschaftsprüfer prüft beides.
Der Wirtschaftsprüfer fragt: „Warum treten bei denselben Artikeln oder Lagerorten wiederholt Inventurdifferenzen auf?"
Kleine Abweichungen zwischen Buch- und Zählbestand sind normal. Aber wenn dieselben Artikel, Lagerorte oder Kostenstellen Jahr für Jahr Differenzen produzieren, ist das kein Zufallsproblem, sondern ein Systemfehler.
Wiederkehrende Differenzen sind ein Signal an den Wirtschaftsprüfer, dass der Prozess nicht unter Kontrolle ist und dass Korrekturbuchungen zur Routine werden, anstatt die Ursache zu beheben.
Die Bilanzrelevanz ist direkt: Überbewertete oder unterbewertete Bestände verzerren das Vermögensbild. Und je größer das Lager, desto größer die potenzielle Auswirkung.
Das eigentliche Problem: Wenn vermeintlich kleine Differenzen zur Gewohnheit werden, hört man auf, sie als Risiko zu behandeln.
Der Wirtschaftsprüfer fragt: „Welche Auswirkungen hatten Nachzählungen und Inventurdifferenzen auf Ihren Abschlussprozess?"
Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Gesellschafter, alle warten auf die testierten Zahlen. Und die warten auf die Inventur. Wenn das Zählen länger dauert als geplant, Nachzählungen erforderlich werden oder Differenzen die Abstimmung verzögern, verschiebt sich der gesamte Abschlussprozess.
In der Praxis bedeutet das: Überstunden im Rechnungswesen, Druck von der Geschäftsführung, hastige Korrekturbuchungen kurz vor dem Termin. Und manchmal: ein Jahresabschluss, der nicht im gesetzlich vorgeschriebenen Zeitraum fertig wird.
Das eigentliche Problem: Die Inventur wird als eigenständiges Projekt geplant, nicht als integrierter Teil des Abschlussprozesses mit festen Pufferzeiten.
Der Wirtschaftsprüfer fragt: „Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Inventurverfahren belastbare und vollständige Bestandswerte liefert?"
Die klassische Stichtagsinventur ist aufwendig. Lager gesperrt, Produktion unterbrochen, Mitarbeiter aus dem Tagesgeschäft abgezogen. Und dann?
In vielen Unternehmen zeigen sich die Grenzen erst nach der Inventur: Doppelzählungen, nicht erfasste Zugänge kurz vor dem Stichtag, Artikel, die schlicht vergessen wurden. Der Aufwand war maximal, die Qualität stimmte trotzdem nicht. Hoher Inventuraufwand ist kein Qualitätsmerkmal.
Für den Wirtschaftsprüfer zählt nicht, wie viel Aufwand betrieben wurde, sondern ob das Inventurverfahren belastbare, nachvollziehbare und prüfungssichere Bestandswerte liefert.
Das eigentliche Problem: Viele Unternehmen setzen hohen Inventuraufwand mit hoher Inventurqualität gleich.
Der Wirtschaftsprüfer fragt: „Warum haben Sie sich für dieses Inventurverfahren entschieden?"
Viele Unternehmen halten Jahr für Jahr am gleichen Inventurverfahren fest, weil sie davon ausgehen, dass alternative Verfahren vom Wirtschaftsprüfer nicht akzeptiert werden. Diese Annahme wird häufig nie hinterfragt.
Tatsächlich lässt das HGB unter bestimmten Voraussetzungen auch alternative Inventurverfahren wie die permanente Inventur oder die Stichprobeninventur zu. Entscheidend ist nicht das Verfahren selbst, sondern dass es ordnungsgemäß angewendet und nachvollziehbar dokumentiert wird.
Das eigentliche Problem: Viele Unternehmen treffen ihre Entscheidung für ein Inventurverfahren auf Basis von Annahmen, nicht auf Basis der tatsächlichen rechtlichen Möglichkeiten. Oft wird diese Annahme erst hinterfragt, wenn der Wirtschaftsprüfer nach der Begründung für das gewählte Inventurverfahren fragt.
Diese fünf Risiken haben eines gemeinsam: Sie werden selten beim ersten Auftreten erkannt, sondern erst dann, wenn der Wirtschaftsprüfer nachfragt, der Jahresabschluss unter Druck gerät oder die Inventur zum dritten Mal in Folge das Unternehmen lahmlegt.
Der sinnvollste erste Schritt ist nicht die Suche nach einem neuen Verfahren, sondern die ehrliche Frage: Wo in unserem Prozess lauern aktuell diese Risiken und haben wir sie wirklich unter Kontrolle? Wer diese Frage für sich beantworten kann, schafft die Grundlage für weitere Schritte zur Inventurerleichterung und eine Inventur, die nicht jedes Jahr aufs Neue zum Ausnahmezustand wird.
Welches dieser Risiken bereitet Ihnen in der eigenen Inventur am meisten Kopfzerbrechen?
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ÜBER UNSERE EXPERT:INNEN

Daniel Schulteis
Experte für Inventur-Management
Daniel Schulteis ist bei INFORM im Account Management mit Fokus auf die Lösung INVENT XPERT für die Stichprobeninventur tätig. Mehr zu seiner Person können Sie seinem LinkedIn-Profil entnehmen.