Schon früh musste die Menschheit das Wirtschaften erlernen. Denn Waren sind meist knapp, aber die menschlichen Wünsche und Bedürfnisse praktisch unbegrenzt. Nach dem „ökonomischen Prinzip" soll eine Gesellschaft knappe Güter so einsetzen, dass sie ein möglichst gutes Verhältnis zwischen Bedürfnisbefriedigung und Güterverbrauch erreicht. Heute beeinflussen maßgebend auch Nachhaltigkeitsaspekte dieses Gleichgewicht.
Wie Optimierungsalgorithmen die Logistik im Balanceakt zwischen Güterverfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit unterstützen können, wird am Praxisbeispiel zur Erstellung eines Liefernetzwerks eines Automobilherstellers deutlich.
ENG MITEINANDER VERKNÜPFT: INDUSTRIE, INNOVATION UND INFRASTRUKTUR
Unternehmen müssen erfolgreich sein, tragen aber auch Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden und der Umwelt. Diese drei Vorsätze müssen sie optimal aufeinander abgestimmt verfolgen. Innovationen und der Infrastrukturausbau unterstützen eine nachhaltige und ressourcenschonende Industrieentwicklung. Wie eng diese drei Bereiche verknüpft sind, unterstreicht das UN-Nachhaltigkeitsziel 9. Es setzt sich für die Förderung der Industrialisierung, die Unterstützung von Innovationen sowie den Ausbau der Infrastruktur ein.
Einen wichtigen Beitrag für das nachhaltige Industriewachstum können fortschrittliche Informations- und Kommunikationstechnologien leisten, indem sie zur Transparenz, Effizienz und Resilienz von Unternehmen beitragen. Mit ihren Logistiklösungen basierend auf Operations Research und künstlicher Intelligenz unterstützt INFORM Industrieunternehmen darin seit über 50 Jahren. Diese Optimierungsalogorithmen arbeiten mit aktuellen Daten aus dem Tagesgeschäft und liefern verlässliche Prognosen sowie zuverlässige Handlungsempfehlungen für effizientes und nachhaltiges Wirtschaften.
OPTIMIERUNGSALGORITHMEN FÜR DIE RICHTIGE BALANCE IN DER LOGISTIK
Wie Industrialisierung, Innovationen und Infrastruktur optimal zusammenspielen, zeigt folgendes Praxisbeispiel zur Erstellung eines Liefernetzwerks. Als Grundlage dient eine INFORM-Fallstudie für den Transport der weltweit produzierten Fahrzeuge eines Automobilherstellers zu den Autohäusern auf dem polnischen Markt. Ziel der Studie war es, auf Basis verschiedener Kriterien, Prioritäten und deren Gewichtung optimale Konfigurationen der Verteilungsinfrastruktur zu berechnen. Dabei musste der Algorithmus einerseits die Kosten, Lieferzeiten und CO2-Emissionen und andererseits die vorhandene Infrastruktur – Häfen, Lager- und Umschlagsplätzen, Schiffs-, Zug- und Lkw-Transportmöglichkeiten – berücksichtigen.
Drei mögliche, machbare Szenarien wurden erstellt:
1. Optimale Kosten Eine Kostenoptimierung lässt sich z. B. erzielen, indem Lieferungen zusammengefasst und zu einem einzigen Hafen verschifft werden. Von diesem Hafen kann der Weitertransport zu Lager- und Umschlagsplätzen über die Schiene erfolgen. Von dort werden die Autos per Lkw an die Händler geliefert.
2. Kürzeste Lieferzeiten Wenn kürzeste Transportzeiten priorisiert gewünscht sind, so empfiehlt es sich, schon ab dem Hafen Lkw-Transporte einzusetzen. Dieses Szenario ist allerdings kosten- und emissionsintensiver.
3. Niedrige CO2-Emissionen Um mit möglichst geringen Emissionen die Lieferungen zu transportieren, empfiehlt der Algorithmus Schiffstransporte zu regionalen Häfen und den Weitertransport per Zug. Erst auf der letzten Meile zum Händler kommen Lkw zum Einsatz.
Für alle drei Szenarien liefern Optimierungsalgorithmen deutliche Verbesserungen gegenüber althergebrachten Planungsprozessen, wobei die Ziele sich nicht gegenseitig ausschließen müssen. Automobilhersteller können sie unterschiedlich gewichten, um eine gute Balance aus geringen Emissionen, niedrigen Kosten und kurzen Lieferzeiten zu erreichen. So erhöhen sie ihre Nachhaltigkeit, ohne dass dies unkontrolliert zulasten von Kosten oder Lieferzeiten geschieht.
Optimierungsalgorithmen werden auch zukünftige Entwicklungen unterstützen. Es ist nicht abwegig, dass wir als Autokäufer bald selbst bestimmen werden, wie hoch der CO2-Fußabdruck unserer Autolieferung ausfallen soll.
Für welchen Mix aus Nachhaltigkeit, Kosten und Schnelligkeit würden Sie sich entscheiden?
ÜBER UNSERE EXPERT:INNEN
Zdravka Ley
Marketing Manager
Zdravka Ley arbeitet seit 2002 als Marketing Manager bei INFORM und beschäftigt sich mit Themen rund um die Optimierung und Nachhaltigkeit der Lieferlogistik und der innerbetrieblichen Transportlogistik.
Engpass Rampe: So bringt modernes Rampenmanagement den Hof in Fluss
Wenn Personal und Flächen knapp sind, gerät die Logistik schnell ins Stocken. Rampen als Engpass? Modernes Rampenmanagement macht aus Stillstand einen kontinuierlichen Materialfluss.
Wer seine Intralogistik nur verwaltet statt sie aktiv zu steuern, riskiert teure Reibungsverluste.
15.07.2025 // Zdravka Ley
Von der Blackbox zum Glashaus: Transparenz in der Werkslogistik für alle Beteiligten
5 Rollen, 5 Blickwinkel und jeweils 5 gute Gründe für ein Transportleitsystem
01.07.2025 // Zdravka Ley
Pre-Self Check-In: So beginnt moderne Yard-Logistik
Der Pre-Self Check-In ist ein integraler Bestandteil der Yard Management Software SYNCROSUPPLY. Das System ermöglicht vorab die Übermittlung standortspezifischer Vorschriften und fragt alle relevanten Informationen zum Fahrzeug und Fahrer ab.
03.06.2025 // Zdravka Ley
Yard Management System neu gedacht: Volle Integration statt Insellösungen
Yard Management Steuerung beginnt da, wo ERP, WMS und TMS aufhören
03.06.2025 // Zdravka Ley
Flottenmanagement neu gedacht: Wie die Intralogistik den Begriff neu definiert
Flottenmanagement zwischen Wandel und neuen Anforderungen.